München: S-Bahn-Ring über Messestadt

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Beschreibung des Vorschlags

 

Ergänzende Idee für den S-Bahn Ring in München
mit Erschließung der Messe – über das Neubaugebiet im Nordosten

 

Nach der zweiten Stammstrecke kann der nächste logische Schritt in Sachen ÖPNV-Ausbau in München nur der S-Bahn-Ring sein.

Für den möglichen Verlauf dieses Rings gibt es bisher verschiedene Varianten (Links zu Ring-Vorschlägen: Vorschlag 1, Vorschlag 2, Vorschlag 3). Immer gleich ist bis jetzt aber der Verlauf im Münchner Osten: der Ring teilt sich die Strecke von Johanneskirchen bis zum Ostbahnhof mit der S8.
Der Nordosten bietet aber die Möglichkeit, den S-Bahn-Ring auch über die Messestadt fahren zu lassen. Also nicht – wie bisher u.a. auch von der Stadt vorgesehen – die U4 (
Vorschlag).

Die U4 bietet stattdessen die Möglichkeit, Aschheim und das östliche Umland zu erschließen. Dort wurde sich ebenso ein Anschluss an München gewünscht (die Verlängerung der U4 könnte mit der Variante des Ringes verknüpft werden).
Verlängert man die U4 zur Messe, hat man z.B. ab Hbf keinen zeitlichen Vorteil gegenüber der U2, die ebenfalls vom Hbf zur Messe fährt (U2: 21 Min., U4 ca. 23 Min.). Die meisten Fahrgäste würden also nicht auf die neue Linie umsteigen.
Eine zeitliche Verbesserung kann aber mit dem S-Ring erzielt werden: vom Hbf mit einer beliebigen S-Bahn über die Stammstrecke bis zum Ostbahnhof und dort in den S-Ring zur Messestadt umsteigen.
Fahrtzeit ca. 16 Min. (mit der 2. Stammstrecke womöglich noch schneller).

Außerdem würde diese neue S-Bahn-Tangente über Johanneskirchen sogar Direktverbindungen vom Flughafen zur Messe möglich machen.

Auf diese Ideen bin ich gekommen, weil ich mich mit der Entwicklung des Neubaugebietes im Nordosten Münchens beschäftigt habe. Der städtische Ideenwettbewerb dazu läuft noch. Aber als ich gelesen habe, dass es hier auch Forderungen nach einem autofreien Quartier gibt, habe ich mir überlegt, wie man ein solches Quartier ohne MIV durch ÖPNV erschließen kann. Den Standort für diese autofreie Siedlung habe ich etwa dort geplant, wo ich die Station „Am Hüllgraben“ platziert habe. Auf einer Fläche von ca. 62 ha rechne ich mit 14.000 Menschen. Meiner Meinung nach würde das sogar rechtfertigen, dass dort der S-Bahn-Ring und die U4 hält. Denn so ist das Gebiet in alle 4 Himmelsrichtungen durch ÖPNV erschlossen: mit dem Ring Richtung Nordring und in den Süden zur Messe, sowie mit der U4 in die Innenstadt und ins Umland.
Das Ergebnis des Ideenwettbewerbs ist noch offen. Aber ich bin zuversichtlich, dass man die unterirdisch verlaufenden Trassen und die Position des Bahnhofes relativ leicht an den Siegesentwurf anpassen könnte.

 

Streckenverlauf im Detail

Anbindung im Norden
Im Norden werden im Moment 4 Gleise auf 2 Reduziert: die S8-Trasse und der Güterverkehr vom Nordring.
Um das zu verhindern, soll die neue Trasse ab der M3-Brücke (Verbindungsstraße zw. Föhringer Ring und A99) 4-Gleisig in einem Tunnel ausgebaut werden (Planungen dafür seitens der Stadt gibt es schon).
Der Güterverkehr vom Nordring muss die S8-Gleise also nicht mehr kreuzen.
Zusätzlich zum Güterverkehr wird auf dem Nordring künftig aber auch die Ring-S-Bahn fahren.

Diese 4 Gleise (Güter/Ring – S8 – S8 – Güter/Ring) fahren dann etwa 200 Meter südlich der M3-Brücke in den Tunnel ein.
Der nun unterirdische S-Bahnhof Johanneskirchen wird mit 2 Mittelbahnsteigen und ohne Sperrengeschoss in geringer Tiefe errichtet. In Johanneskirchen besteht nun Umsteigemöglichkeit von der Flughafenlinie S8 auf die neue S-Bahn-Ringlinie.
Der Güterverkehr passiert ebenfalls den Bahnhof. Von Süden kommend kreuzt der Güterverkehr den Ring zunächst höhenfrei, umfährt dann den Bahnhof in einem 5. Gleis und fädelt erst dann auf das Gleis vom Ring, welches zum Nordring führt, ein.

(Güter/Ring □ S8 – S8 □ Ring | Güter).
/ = Gleis wird von 2 “Parteien” genutzt
□ = Bahnsteig
– = Gleise liegen direkt nebeneinander
| = möglichst räumliche Abtrennung (Schallschutz) zu den Bahnsteigen

Das vom Norden kommende Gleis vom Nordring kreuzt nach dem Bahnhof die Gleise der S8 in einer zweiten unterirdischen Ebene. Hier fädelt der Güterverkehr aus und reiht sich zwischen den Gleisen der S8 und dem anderem Gütergleis wieder in der 1. Ebene ein. Der S-Ring verlässt diese Trasse auf Höhe der Stegmühlstraße in Richtung Osten zum Neubaugebiet.
4-Gleisig verläuft die S8 und der Güterverkehr nun weiter Richtung Süden, der Guterverkehr konnte die S8 höhenfrei kreuzen:
(S8 – S8 – Güter – Güter).

 

Der neue Bahnhof „Am Hüllgraben“
Unterirdisch verläuft die neue Ring-Trasse etwa entlang der Max-Nadler-Straße. Nahe der Glücksburger Straße, im autofreien Quartier, entsteht der neue Bahnhof. Hier könnte nun Umsteigemöglichkeit zur U4 hergestellt werden, die über Englschalking bis hier her verlängert wird.
Um gute Umsteigemöglichkeiten zwischen den sich kreuzenden U- und S-Bahnen zu ermöglichen und um Laufwege möglichst kurz zu halten, würde ich auch hier auf ein Sperrengeschoss verzichten. Im Detail könnte ich mir den Bahnhof wie folgt vorstellen:
In geringer Tiefe verlaufen die Gleise der U4. Der „Mittelbahnsteig“ ist aber ca. 50 – 70 Meter breit und stellt damit quasi das Sperrengeschoss dar, an deren Seiten die Gleise verlaufen.
Von dieser Ebene, also quasi von der Bahnsteigmitte, sind dann Auf-/Abgänge zum darunterliegenden S-Bahn Gleis, welches ein normaler Mittelbahnsteig ist, möglich.
Vergleichbar wäre dieser Bahnhof etwa mit den U-Bahnhöfen Sendlinger Tor oder Marienplatz – nur andersrum (hier befindet sich der breite Bahnsteig unten). Aus Sicherheitsgründen würde ich den weitläufigen Bahnsteig der U4 mit Bahnsteigtüren ausstatten, da hier der Eindruck entstehen könnte, es sei ein „normales“ Sperrengeschoss, an dem man keine Gleise erwartet. An der Oberfläche über dem Bahnhof könnte ich mir z.B. einen zentralen Marktplatz mit mehreren Zugängen zu den Bahnsteigen vorstellen.

Die Trasse des Ringes führt weiter Richtung Süden bis zu den Reitanlagen Riem.
Bis hier hin ist der Bau komplett in offener Bauweise möglich, was die Baukosten in Grenzen halten würde. Vorausgesetzt man baut die Strecke, bevor der Bau der Siedlungen losgeht. Damit der Pferdesportstützpunkt erhalten werden kann, ist hier evtl. ein Bau in geschlossener Bauweise im Schildvortrieb nötig.

 

Der neue Bahnhof Riem
Der Bahnhof Riem würde, folgt man diesem Vorschlag, komplett in den Untergrund verlegt werden. Ähnlich wie der neue Bahnhof Johanneskirchen in geringer Tiefe, ohne Sperrengeschoss und mit 2 Mittelbahnsteigen. Der aktuelle Bahnhof Riem ist teilweise nur über Trampelpfade entlang der Gleise zu erreichen. Außerdem stellt er aktuell eine Barriere zwischen Riem und Daglfing dar. Eine Verlegung in den Untergrund wäre eine absolute Aufwertung für diese Gegend; außerdem bin ich Fan von kurzen Wegen und Umstiegemöglichkeiten am selben Gleis.
Alternative wäre, dass man den bestehenden Bahnhof einfach unterirdisch kreuzt und an der Oberfläche bleibt alles wie es ist. Wäre sicherlich einfacher und auch günstiger – aber bringt der Umgebung auch nicht so viel.
Zum Personenverkehr kommen noch 2 zusätzliche Gütergleise, die direkt von der Daglfinger Kurve zum Umschlagbahnhof Riem führen, ohne dass sich Gleise höhengleich kreuzen müssen. Auf Höhe der Bahnsteige sieht das so aus:
Güter – Güter | S2 □ Ring – Ring □ S2

Der Ring fädelt zwischen den Gleisen der S2 ein. Die Gütergleise werden hier beide nördlich an den Bahnsteigen vorbei geleitet. Voraussetzung ist hier, dass die Strecke vom Bahnhof Riem bis zur Daglfinger Kurve 4-Gleisig ausgebaut wird (Planungen dazu gibt es von der Bahn).
Östlich des Bahnhofs kommen als erstes die S2-Gleise wieder an die Oberfläche.
Das gibt zum einen dem S-Bahn-Ring die Möglichkeit, diese Trasse in Richtung Süden zu verlassen. Außerdem kann so auch der Güterverkehr die S2 höhenfrei kreuzen und zum Umschlagbahnhof gelangen.
Östlich der Bahnsteige sieht es so aus:
S2 – S2 – Güter – Güter … Ring – Ring


Weiter zur Messe und Trudering

Vermutlich müsste ein Teil der Kleingartenanlage vorübergehend „weichen“, um den Tunnel hier in offener Bauweise bauen um können. Spätestens bei Querung der Autobahn A94 müsste man aber wohl wieder auf Schildvortrieb setzen. Bei der breiten Olof-Palme-Straße ist vermutlich wieder die offene Bauweise möglich.
Am Messesee und vor dem Willy-Brandt-Platz entsteht ein neuer unterirdischer Bahnhof. Hier besteht Umsteigemöglichkeit zur U2.
Der Bahnhof läge in mindestens 15 – 20 Metern Tiefe, da er den U2 Bahnhof als auch die 3-Stöckige Tiefgarage der Riem Arcaden unterqueren muss.
Nach passieren der Riem Arcaden, die natürlich im Schildvortrieb zu unterqueren sind, geht es im Riemer Park wieder in offener Bauweise. Bis hin zur S4-Trasse bei Trudering.
Um hier ideal einfädeln zu können, bin ich auf folgende Lösung gekommen:
Zunächst kreuzt ein Gleis (Fahrtrichtung von Trudering zur Messe) das andere in einer Ebene darunter.
Das Gleis mit Fahrtrichtung nach Trudering kommt hinter dem Rappenweg an die Oberfläche und fädelt dann auf das S-Bahn-Gleis der S4 ein.
Für die andere Richtung ist es etwas komplizierter: westlich vom Kreuzungsbauwerk für die Gütergleise ist zwischen den Gütergleisen und dem S-Bahn-Gleis (Richtung Trudering) etwa 8 Meter Freiraum. Im Moment ist hier eine Böschung, die den Höhenunterschied ausgleicht. Diese müsste bis auf die Höhe der S-Bahn-Gleise aufgefüllt werden, sodass oben eine ebene Oberfläche entsteht. Hierhin weicht nun das S-Bahn-Gleis aus, indem es um etwa eine Gleisbreite nach rechts verlegt wird. Der Freiraum entsteht nun dort, wo das Gleis vorher war. Auf diesem ca. 400m langem Freiraum zwischen den zwei S-Bahn-Gleisen entsteht nun eine Rampe, auf der der S-Ring (Richtung Messe) aus der S4 Trasse ausfädeln und in den Untergrund einfahren kann.


Vorteile dieser Strecke
– Der S-Bahn-Ring erschließt auch die Messe, die dadurch von ganz München schneller zu erreichen ist
– Das Neubaugebiet Nordosten wird direkt mit dem Einkaufscenter Riem Arcaden und dem Riemer Park verbunden
– Es entsteht eine Tangente zwischen 5 Linien: S8 – U4 – S2 – U2 – S4/S6
– Durch diese Tangente werden auch Direktverbindungen vom Flughafen zur Messe möglich
– Die U4 bleibt „frei“ fürs Umland

Zeitliche Vorteile für die Erschließung der Messestadt mit dem S-Ring:
– Nordring (Studentenstadt) zur Messe: Vorher (U6/U2) 32 Min. – Nachher (Ring) ca. 12 Min.
– Ostbahnhof zur Messe: Vorher (S4/U2) 15 Min. – Nachher (Ring) ca. 8 Min.
– Südring (Poccistraße) zur Messe: Vorher (U6/U2) 25 Min. – Nachher (Ring) ca. 14 Min.
– Flughafen zur Messe: Vorher (S8/Bus183) 49 Min. – Nachher (S8/Ring[oder Direkverbindung]) ca. 29 Min.

Nachteile
– Die Strecke von Trudering zur Messe wird natürlich doppelt erschlossen. Aber hierbei sollte man „das große Ganze“ betrachten und nicht nur diese einzelne Passage.
– Der Ring muss einen Umweg auf dem Weg zum Ostbahnhof hinnehmen und Fahrzeiten verlängern sich.
Allerdings nur um ca. 4 Minuten gegenüber der S8 Trasse!
 

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu viel langweiliger Text.. Ich wollte es möglichst detailliert erklären, aber vielleicht ist einiges auch uninteressant.
Aber ich freue mich auf Eure Kommentare 🙂

 

Trassenlänge: 11,73 km
Neue Bahnhöfe: 2 („Am Hüllgraben“ (Arbeitstitel) und Messestadt (West)). In Johanneskirchen und Riem entsteht lediglich ein neuer Bahnsteig. Der Bahnhof Unterföhring Süd ist für den Ring nur ein Vorschlag am Rande.

 


EDIT

Ich habe gerade eine Studie gefunden, die sich mit einer ähnlichen Trasse befasst. Darin wird ab Seite 43 eine Trasse von Haar über Aschheim bis zum Nordring untersucht. Für die Verbindung Haar – Nordring gebe es generell Bedarf, nur die dort untersuchte Trasse ist für nicht ideal befunden worden. Auf Seite 70 der Studie werden sogar grobe alternativen genannt („Umstieg in Johanneskirchen“, „ringförmige S-Bahnlinien einbeziehen“, „Entwicklung im Nordosten“), die meinem Vorschlag sehr sehr nahe kommen.
Dafür habe ich nun eine weitere Kurve zum einfädeln zwischen Trudering und Gronsdorf eingezeichnet, die es auch den Zügen aus Haar kommend erlaubt, die Tangente des S-Ringes zu nutzen. In diesem Fall könnte die Tangente sogar von 2 Linien genutzt werden, was den Nutzenfaktor erhöhen würde.
Für die zusätzliche Kurve müssten allerdings Teile des Gewerbegebietes (überwiegend Autowerkstätten) am Rappenweg weichen.
Denkbar ist zudem noch eine zweite Kurve von der Tangente auf die S2-Trasse bei Riem.

Darüber hinaus wird in der Studie noch eine zweite Trasse untersucht, die von Riem aus nach Aschheim, Kirchheim und Pliening führt (ab Seite 49). Das wäre dann etwa mein ergänzender Vorschlag für die U4 Verlängerung. Meine 2 Vorschläge sind also die Weiterentwicklung und Verknüpfung der Varianten aus der Studie, da die Trassenführung der Studienvariante bemängelt wurde. Außerdem sind die Varianten der Studie nicht ohnehin kompatibel, da beide über die Messe und beide über Aschheim führen.

Metadaten zu diesem Vorschlag

Streckendaten als GeoJSON-Datei herunterladen (Beta)

2 Kommentare zu “München: S-Bahn-Ring über Messestadt

    1. Ach Mist, danke für den Hinweis!
      War/ist mein erster Vorschlag.. mir war nicht bewusst, dass aus dem Titel die Url generiert wird. Aber ist ja eigentlich logisch.

      Ändern kann man die ja bestimmt nicht mehr, oder?
      Macht es Sinn, den Vorschlag nochmal löschen zu lassen und es dann richtig zu machen?

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