[KI] Stadtbahn Kiel: Hafenbahn als Stammstrecke

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Beschreibung des Vorschlags

Die Idee ist, die bestehenden Strecken der Kieler Hafenbahn als Stammstrecke für eine neue Stadtbahn zu nutzen. Die Streckenäste zum Westufer (Bollhörnkai) und Ostufer (Norwegenkai, HDW, Marinearsenal) werden am Schwedendamm durch eine Spange miteinander verbunden. Südlich der Friesenbrücke wird das alte Güter- und neue Stadtbahngleis in die Gleise Richtung Hamburg und Lübeck/Schönberg/ggf. Wellsee eingefädelt. Am Bollhörnkai und am Marinearsenal endet die Hafenbahn, ab dort werden Neubauten im Straßenraum nötig.

Vorteile:

  • es müssen nicht viele Strecken neu gebaut werden
    • geringe Neubaukosten
    • geringe Beeinträchtigung des Straßenverkehrs durch Baustellen
    • geringe Beeinträchtigung des bestehenden ÖPNV; Busse können wie gehabt über Sophienblatt/Gablenzstraße fahren
  • Stammstrecke verbindet Holstenplatz, Hauptbahnhof, Hörnbad, Gaarden und HDW/Technische Fakultät
    • Entlastung/Ersatz von Teilen der Buslinien 11, 100, 200/201/210
  • geringe Kosten für Inbetriebnahme: ideal für einen Testbetrieb
    • Regionalbahnen können auf Tram-Trains umgestellt und über die Hafenbahn bis zum Holstenplatz geführt werden – und zukünftig darüber hinaus.
  • Erschließung neuer Baugebiete an der östlichen Hörn
  • Erweiterbarkeit in kleinen Schritten möglich, z.B.
    • Richtung Schönberg mit einer Straßenbahnstrecke durch die Preetzer Straße
    • Richtung Rendsburg/Eckernförde mit einer Straßenbahnstrecke durch Ziegelteich und Schützenwall und dann parallel zur A215

Nachteile:

  • schlechte Verknüpfung mit bestehendem ÖPNV, neue Haltestellen liegen nicht in unmittelbarer Nähe zu alten
  • in Gaarden größere Entfernung zur Wohnbebauung
  • Strecke verläuft am Ostufer über das Gelände der HDW und der Marine
  • Regionalbahnstrecken im Umland sind nicht kompatibel mit Niederflur-Stadtbahn-Fahrzeugen – alternativ müssten in Kiel Hochbahnsteige gebaut werden
  • Hafenanlieferung kann spätestens nach einer Testphase mit dünnen Takten nicht mehr über die Schiene erfolgen – bestenfalls nach aufwändigen Neubauten (drittes Gleis am Hauptbahnhof o.ä.)
  • Strecke macht große Umwege im Vergleich mit Straßenbahnstrecken
  • kleine Stammstrecke hat nicht viel Fahrgastpotenzial, Linien würden aufgesprengt oder Parallelverkehre entstehen
    • Beispiel: Fahrt Exerzierplatz → Ellerbeker Markt kann heute umsteigefrei mit dem Bus 100 gefahren werden, wäre nach diesem Vorschlag: Exerzierplatz → Bus → Holstenplatz → Stadtbahn → Hollmannstraße → Bus → Ellerbeker Markt
    • Kosten-Nutzen-Analyse würde mit Sicherheit ein negatives Ergebnis liefern

Der größte Vorteil dieses Vorschlags liegt darin, dass ein Stadtbahnsystem so peu à peu eingeführt werden kann: erst wird ein Streckenstummel zum Holstenplatz eingerichtet, dann werden die RB-Linien nach Schönberg, Lübeck und Neumünster mit Tram-Train-Fahrzeugen bestückt und in die Innenstadt verlängert, dann wird die Spange zum Ostufer gebaut und die Straßenbahnlinie nach Gaarden eröffnet usw. Dadurch wird aus einem großen Mammutprojekt viele kleine und die einzelnen Eingriffe sind nicht so schwerwiegend. Deswegen halte ich es für eine gute Idee und möchte es gern hier zur Diskussion stellen.

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3 Kommentare zu “[KI] Stadtbahn Kiel: Hafenbahn als Stammstrecke

  1. Interessante Idee! Und mir gefällt sich die objektive Beschreibung mit Auflistung der Vor- und Nachteile.

    Ohne jetzt auf die Details einzugehen, würde ich vorschlagen, entweder nicht die bestehenden RBs zu ersetzen, oder dies eher wie in Zwickau zu vestalten, wo geringfügig angepasste Dieseltriebwagen vom Hbf weiter in die Innenstadt fahren. Sonst sind neben den eh schon nicht ganz geringen Investitionen auch umfangreiche Elektrifizierungsarbeiten notwendig. Auch wären hier expresszugtaugliche Fahrzeuge vor straßenbahnartigen Fahrzeugen zu bevorzugen. Wobei man natürlich sagen muss, dass eine Elektrifizierung der Lücken nach Lübeck und Rendsburg und langfristig auch nach Flensburg und Husum sinnvoll sind.

    1. Danke für den Kommentar!

      Auch von der Idee, mit dem Zwickauer Modell zu beginnen, bin ich sehr angetan; sie passt hervorragend in das Konzept, den Betrieb kleinschrittig zu beginnen. Allerdings würde ich dafür plädieren, von Anfang an Hybridzüge wie in Kassel anzuschaffen, die sowohl elektrisch als auch mit Diesel fahren können (neue Fahrzeuge müssen sowieso angeschafft werden, da die LINTs nicht auf die Straße dürfen). Solange noch keine Oberleitungen hängen, kann man auch in der Stadt im Dieselbetrieb unterwegs sein, aber langfristig sollte, wie du ganz richtig sagst, sowohl das Straßen- als auch das Eisenbahnnetz elektrifiziert werden. Was die Geschwindigkeit der Fahrzeuge betrifft, reichen die 100 km/h, die die Kasseler RegioCitadis schaffen, vermutlich für die meisten Strecken im Kieler Umland völlig aus. Schneller darf man (außer nach Neumünster) sowieso kaum fahren.

  2. In einer solchen Stadtbahn sehe ich genau das richtige für Kiel (auf jeden Fall besser als die Seilbahn!). Die Nutzung der Hafenbahn ist natürlich eine gute Idee, die sich günstig umsetzen lässt, auch wenn man dabei bedenken muss, dass man höchstens den Grund und Boden der Strecke für den Bau einer Stadtbahnstrecke nutzen kann, im heutigen Zustand ist die für diese Nutzung ungeeignet. Dennoch eine runde Sache, finde ich.

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